Istanbul 2008

 Unter dem Motto „Gewerkschaftliche Solidarität im Bekleidungssektor“ reisten 10 AktivistInnen aus unterschiedlichen Organisationen (tie Bildungswerk, ver.di, Ev. Akademie Meißen, Kampagne für Saubere Kleidung, terre des femmes und von der schwedischen Clean Clothes Campaign Rena Kläder) mit dem Dritte Welt Forum in Hannover e.V. vom 11. bis 18. Oktober 2008 in die Türkei. Diese Reise wurde unterstützt durch die Stiftung Menschenwürde und Arbeitswelt, der wir hiermit noch einmal herzlich danken wollen.

Das Programm begann mit der zweitägigen Konferenz "Gute Aussichten für Beschäftigte in Bekleidungsindustrie und -handel?“ in guter Kooperation mit dem Büro der Friedrich Ebert Stiftung in Istanbul.

 

Zahlreiche türkische Gewerkschafter/innen, aber auch Wissenschaftlerinnen, Vertreterinnen von Firmen und  der Repräsentant der Deutsch-Türkischen Handelskammer diskutierten mit uns über die Situation von Bekleidungsindustrie und Gewerkschaften in der Türkei und anderen Ländern. Dabei standen die Kämpfe um die Durchsetzung der Vereinigungsfreiheit im Mittelpunkt (Siehe dazu auch den Bericht von Hasan Arslan in express 3/09). Besondere Aktualität erhielt das Forum durch die Teilnahme von Emine Arslan, einer Arbeiterin, die wg. dem Kontakt mit der Ledergewerkschaft Deri Is nach acht Jahren Betriebszugehörigkeit im Mai 2008 vom Unternehmen DESA entlassen wurde.

 

 

 

Seitdem steht Frau Arslan jeden Tag vor der Fabrik, die u.a. für Prada, Gucchi und Louis Vouitton fertigt, und kämpft für ihre Wiedereinstellung und Arbeitnehmer/innenrechte bei DESA. Im Anschluss an die Veranstaltung besuchten einige Teilnehmer/innen spontan den DESA Shop auf der nahegelegenen Flaniermeile Istiklal Caddesi und übergaben eine Solidaritätserklärung (s. unten Bericht in türkischer Zeitung).

 

 

 
Bettina Musiolek hat dazu auf Labournet den Bericht "Der Teufel trägt Prada" veröffentlicht. Auch die taz berichtete inzwischen über den Fall.

 

Die internationale Clean Clothes Campaign ruft in einer Eilaktion zur Solidarität für Emine Arslan und ihre Kolleg/innen auf.  Obwohl ein Arbeitsgericht inzwischen die Wiedereinstellung verfügt hat, ist immer noch nichts passiert.

Am folgenden Tag besichtigte die Hälfte der Delegation einen Zulieferbetrieb von H&M, die andere Hälfte besuchte Emine Arslan auf ihrem Streikposten vor der DESA Fabrik im Stadtteil Sefaköy. Dort war die Polizei sowohl mit Mannschaftswagen als auch in Zivil präsent und hinderte uns am Betreten des Betriebsgeländes.

 


Kollegen der Gewerkschaft teksif luden uns danach zu Besichtigung und Mittagessen in die Textil- und Bekleidungsfabrik "Altin Yildiz" (Goldener Stern) ein.

Am Donnerstag besuchten Frauen aus der deutschen CCC eine Heimarbeiterinnen-Kooperative im Stadtteil Avcilar. Beim anschließenden Besuch bei den teksif-Kollegen erfuhren wir von schwerwiegenden Gesundheitsproblemen durch die "stonewash"-Behandlung von Jeans in der Türkei (s. Tagesspiegel: "Der bleiche Tod" oder ntv: "Tausende Todesfälle möglich"). Inzwischen konnte das Verbot dieses Verfahrens durchgesetzt werden (s. taz: "Großer Sieg für Textilarbeiter in der Türkei") Ein anderer Teil der Delegation traf sich mit dem lokalen Mitarbeiter des tie-Bildungswerks und erfuhr mehr über seine Arbeit an der Basis. 

Freitag standen noch der Besuch eines Zulieferers von Arcandor und eines Zulieferers von Hess Natur auf dem Programm. 

Die Reise in die Arbeitswelt der Türkei hat uns eine Menge neuer Einblicke in die weltweit vernetzte Bekleidungsproduktion und das Knüpfen vieler interessanter neuer Kontakte ermöglicht. Wir hoffen, dass sich daraus in den beteiligten Organisationen viele Ansätze für solidarische Aktionen mit den türkischen Kolleg/innen ergeben.